Rennbericht Hawaii 2017

“If you can’t fly then run, if you can’t run then walk, if you can’t walk then crawl, but whatever you do you have to keep moving forward.”
Martin Luther King Jr.

 

Es ist schwer die richtigen Worte oder überhaupt Worte dafür zu finden was ich gerade fühle. Hin- und hergerissen von den Gefühlen, zwischen Stolz, Enttäuschung, Freude und  Schmerz. Was ich in der Zeit hier auf Hawaii erlebt habe fasst gefühlsmäßig das ganze Jahr zusammen. Hochs und Tiefs. Ich habe gesagt dass mien Ziel das Podium auf Hawaii ist und ich habe nicht eine Sekunde daran gezweifelt. Zufrieden wäre ich wenn ich am Ende alles gegeben hätte. Das ist in gewisser Weise so gewesen, allerdings anders als ich mir das vorgestellt habe. Und ich muss zugeben dass ich enttäuscht bin, denn ich kann das besser, besser als das was ich an dem einen Tag der zählte gezeigt habe, aber nur dieser eine Tag zählte. Und doch bin ich glücklich und erleichtert, denn ich habe während des Rennens von meinen A-, B- und C-Zielen Abstand genommen und bin dem Wetter und meinem Körper gerecht geworden.

Und irgendwie stelle ich mir die Frage (auch wenn ich weiss dass es nicht hilft), war es das alles wert? Die ganzen Entbehrungen, die wir in diesem Jahr auf uns genommen haben? JA, und da zögere ich nicht eine Sekunde. Wir (ich und alle die mich unterstützt haben) wissen, dass ich alles mögliche getan habe um mich auf dieses eine Rennen vorzubereiten und mich dabei unterstützt und an mich geglaubt haben. Und auch mit all den Rückschlägen dieses Jahr, einem immer wieder unterbrochen Aufbau, habe ich das Zeil nie aus den Augen verloren. Darauf werde ich in ein paar Jahren hoffentlich noch mit Stolz zurückblicken können. An manchen Tagen läuft es wie von selber, an anderen überhaut nicht, doch auch mit denen müssen wir umgehen und dieses helfen einem über sich hinaus zu wachsen. Aber wenn man etwas nicht versucht, dann wird man nie wissen was wäre wenn, also scheitere ich lieber bei dem Versuch als mich ständig zu fragen, „Was wäre wenn“.

Wie das aus dem bisherigem Jahr kann ich auch der Zeit auf Hawaii viel positives abgewinnen. Am Anfang hatte ich nicht gerade Glück und einen platten nach dem anderen, was mich zunächst auch etwas nervös gemacht hat, aber am Ende hat es mir dabei geholfen es alles entspannter zu sehen, ich war vorbereitet so gut ich konnte, und bin mental ausgeglichen und stark in den das Rennen gegangen. Die letzten Wochen Vorbereitung liefen top, auch die Eingewöhnung auf Hawaii hätte nicht besser sein können. Jede Einheit wurde abgeliefert und es gab auch keine größeren Wehwehchen, die mich im Verlauf der Saison mehr als nur ein paar Tage Training gekostet haben. Ich wusste es kommt einer der längsten und anstrengendsten Tage meiner Traithlon-Kariiere auf mich zu, doch ich war vorbereitet, körperlich und mental. Bevor der Kanonenschuss am Morgen fiel fühlte ich eine interessante Mischung aus ein wenig nervöser Anspannung und Entspanntheit.

Obwohl es leistungsmäßig eines meiner schlechtesten Rennen war, ich weiss dass ich nicht fitter hätte sein können an dem Tag. Und warum ich dann nicht schneller war? Irgendwie ist das auch für mich schwer zu greifen.

Mit dem Schwimmen fing das Rennen für mich ganz gut an, und ich konnte meine bisherigen Zeiten unterbieten, auch wenn ich mein Ziel, meine Zeit vom H’oala Schwimmen von einer Woche zuvor zu unterbieten verpasst habe. Für die zweite Disziplin, das Radfahren war der Plan die ersten 10 km etwas mehr Leistung zu treten, möglichst bei einer Gruppe zu bleiben und dann zu meinem Ironman-Pace zu finden. Alles lief perfekt, ich fühlte mich super. Mit einer kleinen Gruppe nahmen wir dann den ersten Teil der Radstrecke in Angriff und machten Zeit und Plätze nach vorne gut. Beim Anteil nach Hawi musste ich dann die Gruppe ziehen lassen, es hätte sonst bedeutet über meinen Verhältnissen zu fahren und aus Erfahrung wussten wir, das gerade auf diesem Abschnitt auch schon mal das Rennen verloren wird. Doch nur wenige Augenblicke später war das tolle Gefühl vorbei und da war es wieder dieses seltsame Gefühl am ISG und in der Gesäßmuskulatur, was mich davon abhielt weiter meine Werte zu fahren. Doch es war ja nicht mehr weit bis zum Wendepunkt und von da an ging es erst mal bergab und man konnte hohe Frequenzen treten, wodurch ich hoffte, sich bei mir wieder alles lockern würde. Was die Verpflegung betrifft lief alles optimal und energetisch ging es mir gut. Als es wieder zurück auf den Queen K ging konnte ich ich wieder meine Werte nicht treten, ein runder Tritt war nicht mehr möglich. Ich musste akzeptieren, dass ich meine angestrebten und schon oft über die Distanz getretenen Wattwerte nicht mehr halten konnte.

Alles in allem war das Radfahren also eine Katastrophe, so hatte ich mir das wahrlich nicht vorgestellt. Hätte ich etwas andes machen können oder sollen? Wir haben viel gegrübelt, Daten analysiert aber wüssten nicht was. Überraschender Weise hatte ich bei mLaufen anfangs keinerlei Probleme. So kannte ich das von einigen Trainings und die Motivation und der Glaube waren daher da hier noch ein paar Plätze gut zu machen. Klar war es ein bisschen heiß 😉 aber ich habe mich gut kühlen können an jeder Verpflegungsstation und auch gut Trinken und Kalorien zu mir nehmen können. Schnell habe ich meinen Rhythmus gefunden. Ich könnte es also noch vor in die TOP-10 schaffen. Trotz der Hitze bin ich recht kühl geblieben und habe zwar an den Anstiegen, insbesondere Palani gearbeitet, aber es nicht übertrieben um die Herzfrequnz nicht zu hoch steigen zu lassen (Praktisch die Herzfrequenzmessung am Handgelenk!). Doch wie aus dem Nichts meldete sich mein ISG und meine Gesäßmuskulatur oben auf dem Highway zurück. Die Anstiege, sonst meine Stärken sind in diesem Jahr meine Schwachstelle und Schwäche. Das habe ich versucht zu verdrängen, denn in den letzten Wochen war ich meiner Alen Form wieder nach, doch die extremen Bedingungen forderten wohl ihren Tribut. noch 26 km vor mir bis zum Ziel habe  ich gekämpft, gekämpft locker zu bleiben, immer wieder habe ich gut in meinen Rhythmus zurück gefunden. Das ging bergab deutlich besser als bergauf. Bald kam das Energy Lab, 4 km dort und dann zurück zum Ziel. Ich erinnerte mich an meine letzten langen Läufe, wie ich dort am Ende das Tempo anziehen konnte motivierte mich, dass das auch jetzt möglich sei. Mein Ziel, das Podium war in unerreichbarer Ferne, aber wer weiss was noch möglich war, wer es zuvor übertrieben hatte und wem am Ende die Körner ausgingen? Als es aus dem Energy Lab zurück auf den Highway ging fühlte ich mich erstaunlich frisch und es lief locker. Das blieb aber nur für einen Augenblick. Schon bald darauf wurden die Schmerzen unerträglich, nun war es also nicht ich diejenige welche Plätze gut machten sondern ich wurde eingesammelt. Es gab viele aufmunternde Worte von meinen Konkurrentinnen, jeder kämpft und hat trotzdem noch die Kraft und Muße andere zu unterstützen. Auch wenn ich verlor, aufgeben wollte ich nicht. Ich ließ einen Schweizer auf und zusammen laufend konnten wir eine zeitlang unsere Qualen vergessen. Chris war auch die ganze Zeit an meiner Seite. Auf dem Rennrad fuhr er ein paar Meter, wartete, motivierte mich, fahr wieder vor. Nach einer gefühlten Ewigkeit errichten wir wieder Palani und ich glaubte meinen Augen kaum, aber ich kam einer Konkurrentin näher. Was dann geschah kann ich wie so vieles an dem tag, selber auch nicht verstehen, aber ich habe noch einmal alles verbliebenen Energiereserven mobilisiert und alles ausgeblendet und konnte nochmal rennen. Bei meinem Sturm Palani bergab und Richtung Ziel habe ich noch zwei weitere Konkurrentinnen eingesammelt und habe überglücklich die Ziellinie gequert. Ja, ich habe tatsächlich gejubelt. Ich habe nicht gewonnen, aber in gewisser Weise schon. Noch nie zuvor habe ich so viel für ein Finish gegeben, noch nie habe ich mich so überwunden. ich war so weit von meinen Ziel und meinem Leistungsvermögen entfernt aber ich habe nicht aufgegeben. An dem Tag hat mein Körper nicht das mitgebracht was eine herausragende Performance gebraucht hätte, aber mein Kopf war stark, bärenstark.

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Vielen, vielen Dank an alle für ihre Unterstützung! Familie, Freunde, Sponsoren und einfach alle denen ich begegnet bin und an der Strecke.

Ich komme zurück!

#followmypassion #performingperfect #believe

4 Kommentare zu „Rennbericht Hawaii 2017

  1. Herzlichen Glückwunsch!!
    Ich bewundere immer diese tollen Leistungen neben dem Job.
    Da fehlt es einem ja viel an Regeneration.
    Gute Erholung und eine erfolgreiche Saison 2018.

    Gefällt mir

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